Warum Mediation im Erbrecht?

Das Warum ist eine häufige Frage aus Kindermund. Sie ist mehr als eine Suche nach Gründen. Sie ist Ausdruck von Neugier, Reflexion und manchmal auch von Zweifel. Sie hilft uns, Sinn zu finden, Zusammenhänge zu verstehen und Entscheidungen zu hinterfragen.

Warum also Mediation im Erbrecht?

Das Sprichwort „Erben ist leicht, Einigen ist schwer“ trifft den Kern vieler Erbkonflikte. Wenn ein Erbe anfällt, scheint es zunächst einfach – das Vermögen wird verteilt. Doch sobald mehrere Erben und weitere Beteiligte wie Pflichtteilsberechtigte oder Testamentsvollstrecker mit ins Boot kommen, zeigen sich oft unterschiedliche Erwartungen, Emotionen und Ansprüche. Gefühle und emotionale Verletzungen, die bis in die Kindheit der Beteiligten zurück reichen können, beeinträchtigen die Lösungsbereitschaft in besonderem Maße.

So verwundert es nicht,  dass gerichtliche Erbstreitigkeiten sich im schlimmsten Fall über mehrere Jahre hinziehen können. Erbstreitigkeiten sind oft rechtlich sehr komplex.  Eine gerichtliche Auseinandersetzung ist mit vielen Risiken verbunden, da der Ausgang des Rechtsstreits in den wenigsten Fällen sicher zu prognostizieren ist. So kann beispielsweise die Auslegung von Testamenten oder die Frage, ob die Erblasserin noch testierfähig war, in einer Vielzahl von Fällen nicht eindeutig zu beurteilen sein.

Was als rechtliche Klärung beginnt, endet nicht selten im völligen Bruch zwischen Geschwistern, Eltern  oder anderen Verwandten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der für eine Erbmediation spricht, ist, dass sich die Kosten eines Gerichtsverfahrens nach der Höhe das Streitwertes/Nachlasswertes richten. Das heißt, je höher der zu verteilende Nachlass ist, umso höher sind  Gerichts- und Anwaltsgebühren. Sich professionell vor den Gerichten zu streiten, kostet Geld und Nerven.

Dagegen berechnen sich die Kosten eines Mediationsverfahrens üblicherweise nach Stunden, Halbtages- oder Tagessätzen. Je nach Komplexität des Konfliktes und  je nach der Höhe des zu verteilenden Nachlasses sind daher die Mediationskosten niedriger als die streitwertbezogenen Gerichtskosten.

Ebenso wichtig wie Geld, wenn nicht sogar wichtiger,  ist aber, den Streit zügig über die Bühne zu bringen, ohne sich dabei über den Tisch ziehen zu lassen. Diese Bedürfnisse kann eine Mediation befriedigen.

So können gemeinsam anerkannte Lösungen den Familienfrieden sichern. Bestehende innerfamiliäre Konflikte – wie  Geschwisterrivalität – können thematisiert und bearbeitet werden. Auch das Bedürfnis nach Anerkennung und Würdigung erbrachter Pflegeleistungen findet seinen Raum.

So kann es gelingen, Vermögenswerte zu erhalten und kreative Lösungen zu entwickeln.