Nachfolge in Familienunternehmen

Unternehmensnachfolgen weisen gegenüber der Vermögensnachfolge eine erhöhte Komplexität auf. Nach einer Studie des Instituts für Mittelstandforschung in Bonn steht für den Zeitraum 2022-2026 bundesweit für etwa 190.000 Unternehmen eine Unternehmensnachfolge an (Studie Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2022-2026 kann auf der Internetseite des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn heruntergeladen werden).

Während es in der Vermögensnachfolge zur familiären Trennung kommen kann, können Streitigkeiten unter Unternehmenserben zur Zerschlagung von Unternehmen führen.

Um den Erhalt des Unternehmens zu sichern, ist eine strukturierte Nachfolgeplanung mit dem Einsatz mediationsähnlicher Verfahren eine  Methode, die sich bereits in vielen Fällen gut bewährt hat.

Die Begleitung einer Unternehmensnachfolgeplanung umfasst eine Vielzahl von komplexen Fachthemen rechtlicher (Gesellschaftsrecht, Schenkungs- und Erbschaftsrecht, Steuerrecht), betriebswirtschaftlicher und vermögensverwaltender Art. Dabei kann ich als Mediatorin nicht in allen Gebieten Expertin sein. Dies ist aber auch nicht erforderlich, da meine Aufgabe nicht in der fachlichen Beratung, sondern in der Gestaltung und Führung des Verfahrens liegt.

Neben den Sachkonflikten begleiten im Rahmen der Unternehmensnachfolgeplanung Rollenkonflikte die Interessenklärung. Der Unternehmer ist einerseits Ehemann und Familienvater, andererseits Geschäftsmann und Arbeitgeber. Wenn der Unternehmer im Sinne der Familie als Familienvater entscheidet, kommt er nach  der familiären Gleichbehandlungslogik zu anderen Entscheidungen als wenn er als Geschäftsmann für das Unternehmen entscheidet. Die Ausrichtung am Unternehmenswohl fordert die Logik der Leistungsgerechtigkeit. Diese Rollenkonflikte und emotionalen Faktoren sind auf dem Weg zur Unternehmensnachfolgeplanung zu berücksichtigen und zu prüfen.

Die Besonderheit in Bezug auf Familienunternehmen bei der Interessenklärung ist, dass neben den individuellen Interessen der Stakeholder noch spezifisch unternehmensbezogene Interessen treten.

Es ist eine Auseinandersetzung in allen relevanten Kontexten, namentlich Familie, Unternehmensführung und Gesellschafter nötig, um sowohl eine Familiencharta, als auch eine Nachfolgecharta zu entwickeln. Hier liegt der Focus auf den Werten, Prinzipien und der Unternehmens- und Familienkultur. Es geht um die Bedürfnisse, Erwartungen und die Haltung der involvierten Personen und gleichzeitig um die Kultur des Unternehmens und der Familie.

Auf dieser Grundlage können sodann verschiedene Nachfolgeoptionen gesammelt und bewertet werden.

Dabei müssen einzelne Lösungsbausteine von Fachleuten gründlich durchdacht werden und es kommt zur Einbindung Dritter, etwa Banken, um die Umsetzbarkeit der Optionen zu prüfen.

Es liegt auf der Hand, dass gesellschaftliche Umstrukturierungen, steuerliche Gesamtbetrachtungen, die Veräußerung oder auch der Erwerb von Unternehmensteilen und die Entwicklung von Finanzierungskonzepten zeitlich sehr aufwändig sind, so dass sich im Rahmen der Gestaltungsmediation zur Unternehmensnachfolge auch Teillösungen anbieten.

Die Planung einer Unternehmensnachfolge kann einen langen Zeitraum in die Zukunft hineinregeln. Die Beteiligten müssen damit rechnen, dass sich im Laufe der  Zeit bis der Nachfolgefall eintritt, wesentliche Umstände grundlegende ändern. Es ist daher sinnvoll, die Nachfolgecharta als lebendiges Dokument auszugestalten und von Anfang an künftige Treffen zur Weiterentwicklung und Anpassung der Nachfolgecharta zu institutionalisieren.